Arne Buggenthin Productions GmbH

HISTORISCHER ROMAN

1842 – DER GROSSE BRAND VON HAMBURG

Der Roman erzählt aus der Zeit des großen Hamburger Brandes. Der Verlauf der Katastrophe, die betroffenen Personen, sowie die historischen Hintergründe wurden sorgfältig recherchiert. Hierzu konnten Texte aus drei Jahrhunderten eingesehen werden; angefangen bei den ersten großen Berichten von Dr. H. Schleiden und Dr. J. G. Gallois, bis zu den neuesten Publikationen der aktuellen Brandforschung.

Hamburg, die alte Hansestadt im Mai 1842.

Ein großes, aufregendes Panorama entfaltet sich vor unseren Augen:
In den reichen Stadtteilen leben die Menschen im Luxus, in den Gängevierteln herrschen Armut und Elend. Der Hafen ist bevölkert mit Werftarbeitern, Schauerleuten und Matrosen aus fremden Ländern, die von den Einheimischen argwöhnisch beobachtet werden.
So geht das Leben in der Hansestadt seinen gewohnten Gang …
… bis es in der Nacht zum 5. Mai zur Katastrophe kommt.

Ein kleines Feuer, in einem Speicher ausgebrochen, beginnt mit rasender Geschwindigkeit um sich zu greifen. Schnell stehen ganze Straßenzüge in Flammen, und am Abend des ersten Brandtags herrscht Angst und Verzweiflung in der Stadt.

Plünderer verwüsten Häuser und Geschäfte. Engländer werden als Brandstifter denunziert. Die Bürgerwehr marschiert … und vor den Toren der Stadt entsteht ein großes Flüchtlingslager. Es scheint, als wäre die Welt dem Untergang geweiht …

LESEPROBE

Knapp eine Stunde lang bestritt das Commando Bieber seinen aussichtslosen Kampf, während der Wind stetig neue, feurige Saat herantrug. Dann quoll dichter Rauch unter der Kupferabdeckung der Turmspitze hervor.
Eine schwere Metallhalterung gab nach, stürzte in die Tiefe und traf den Rand einer Glocke. Ein dunkles, unheimliches Läuten hallte durch die Kirche.
„Das Dach schmilzt“, flüsterte Repsold und wies hinauf, zu jener Stelle, an der flüssiges Kupfer über das Mauerwerk lief.
Bieber nickte. Sein Stolz gebot ihm, die Löscharbeiten fortzusetzen. Doch die Erfahrung sagte ihm, dass sie ihren Kampf bereits verloren hatten.
„Die Männer sollen sich zurückziehen. Wasserdruck auf halbe Stärke. Ich bleibe mit der Spritzenmannschaft bis auf Weiteres hier.“
„Wenn sie erlauben, bleibe ich ebenfalls auf Posten.“
„Nein, Repsold. Sie werden unten gebraucht. Sorgen Sie dafür, dass der Turm zügig geräumt wird.“
Doch die Zeit für einen geordneten Rückzug blieb ihnen nicht mehr. Knarrend, wie ein Schiffsrumpf im Sturm, begann der Glockenstuhl auseinander zu brechen. Mit der nächsten Windbö regnete es glühende Kupfertränen auf die Männer nieder. Die Schmerzensschreie der Getroffenen waren bis hinunter auf den Kirchplatz zu hören.
„Den Turm räumen! Den Turm räumen!“ Bieber versuchte vergeblich sich in dem Lärm Gehör zu verschaffen. „Kümmert euch um die Verletzten! Beeilt euch!“
Kopflos suchten die Schaulustigen ihr Heil in der Flucht. Unter Geschrei und Todesangst stürmten sie die Treppe hinunter, und es grenzte an ein Wunder, dass niemand sein Leben verlor. Eine Handvoll ausgeschlagener Zähne und ein paar Knochenbrüche waren der höchste Preis, den sie zu zahlen hatten. Es dauerte keine zehn Minuten bis der Turm verlassen war.
Bieber und Wiegand waren die Letzten, die vom Turm herunterstiegen. Gemeinsam trugen sie die schwere Düse, während der Schlauch mit langsamen, gleichmäßigen Bewegungen von unten eingeholt wurde.
„Sind die Gaffer endlich fort?“, wollte Bieber wissen.
„Ihre Neugier scheint gestillt zu sein“, antwortete Repsold mit einem Anflug von Genugtuung. „Sogar der Herr Pfarrer hat eingesehen, dass er nicht bleiben kann.“
„Also sind alle draußen?“
„Alle, bis auf den Küster. Er will noch einmal die Glocken läuten.“
„Gut, aber er soll sich beeilen.“ Der Oberspritzenmeister gab seinen Männern den Befehl, das Gebäude zu verlassen und sich auf dem Kirchplatz zu sammeln.
Als sie ins Freie traten, begann ein letztes Glockenkonzert. Wut und Trauer lag in dem Spiel, das weit in die verwundete Stadt hinauswehte. Der Glöckner von St. Michaelis folgte dem Beispiel und eine nach der anderen schlossen sich die Kirchen in der Ferne an. Furchterregend und zugleich von seltsamer Schönheit war das Zusammenspiel der Glocken. Schließlich herrschte Stille. Der Küster kam aus der Kirche, stieg die Stufen zum Platz hinunter und stellte sich zu den Feuerwehrmännern. Diesmal hatten ihm, dem stotternden Mann, alle zugehört.
Wie gebannt hingen ihre Blicke am Kirchturm, aus dem unaufhörlich dunkler Rauch aufstieg.
„Da! Seht doch!“
Als hätte der Turm nur auf ihre ungeteilte Aufmerksamkeit gewartet, geriet die Dachspitze nun in Bewegung. Einen Augenblick war sie in Rauch und Flammen gehüllt, dann stürzte sie ihnen entgegen. Den Beobachtern blieb keine Zeit, sich mehr als ein, zwei Schritte zurückzuziehen. Die brennende Turmspitze fiel und schlug mit Wucht im Kirchhof auf. Einige Männer wurden durch die Erschütterung von den Beinen gerissen, andere von fliegenden Trümmern getroffen. Dann verwehte die Staubwolke, und entsetzt mussten sie feststellen, dass das Feuer nun auf das niedere Kirchendach und das Pfarrhaus übergegriffen hatte.
Repsold rieb sich den Staub aus den Augen und sah hinauf. Der Turm, an dessen Mauern glühendes Metall herabfloss, glich einem enthaupteten Riesen.

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